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Truppenübungsplatz
der Westfalenkaserne, Ahlen
Fotos: ako Bericht aus dem Ahlener TageblattEs ist punkt 18 Uhr. Oberbrandmeister Guido Sellenrieck löst den Alarm aus. Er gibt bekannt, dass das neben ihm das Übungshaus der Bundeswehr im Oestricher Holt explodiert sei. "Gibt es Verletzte?" fragt die Stimme am anderen Ende des Funks. "Das ist sehr wahrscheinlich, vielleicht etwa neun", gibt der Feuerwehrmann über den Funkmeldeempfänger an. Seine Stimme ist ruhig und gelassen. So sollte es auch im wirklichen Notfall sein. Tatsächlich ist das Übungshaus nicht explodiert, denn am vergangenen Mittwoch Abend handelte es sich eine Alarmübung der freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Süd. Schon vorher sind neun Kinder vom Jugendrotkreuz nach den Regeln der realistischen Unfalldarstellung (RUD) mit Kunstblut und erschreckend originalgetreu geschminkten Brandwunden zu "Verletzten" gemacht worden. Ihre Kleidung ist zerfetzt und verkohlt - als wäre das Haus tatsächlich explodiert. Auf Kommando des Brandmeisters gehen sie auf Position und sind von nun an bewusstlos, verwundet, verschüttet. Über Funk sind auch der Löschzug Hamm-Süd, sowie die Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes alarmiert worden, die schon zum zweiten mal bei einer Übung des Löschzuges Süd dabei ist. Die Minuten erscheinen wie Stunden, wie eine halbe Ewigkeit, bis man das Martinshorn von weitem hört. Doch die zwölf Minuten, die die Feuerwehrmänner brauchen, sind für die Entfernung vom Vatheuershof, dem Standpunkt des Löschzuges, eine gute Leistung. Der Einsatz beginnt schon bevor die roten Löschfahrzeuge den eigentlichen Unglücksort erreicht haben. Eine Wasserquelle muss aufgetan werden, da der nächste Hydrant nicht nur zwei Kilometer entfernt ist, sondern auch nicht genug Wasser zur Verfügung stellen würde. Also werden die Schläuche an einem offenen Gewässer angebracht, in diesem Fall an einem unscheinbar schwarzen Wasserbecken. An der Unfallstelle ist Schnelligkeit, Koordination und Kooperation gefragt, nur eines nicht: Panik. Ein verzweifelter Vater, der seine Kinder aus dem Haus befreien will, muss beruhigt und von der Brandstelle geführt werden. Eine Handlung, die neben der Menschenrettung, Brandbekämpfung und Wasserversorgung geschehen muss. Das Rote Kreuz richtet zeitgleich eine Verletzensammelstelle ein. Bevor die Notfallpritschen aufgebaut sind muss Erstversorgung geleistet werden: Stabile Seitenlage, Puls messen, Beatmung. Nur in den wenigsten Fällen reichen warme Decke und beruhigendes Zureden. Wehrführer Heinz-Werner Teckentrup ist zufrieden. Die Kooperation mit dem Hammer Löschzug und dem Roten Kreuz funktioniert gut, ein wichtiges Ziel dieser Alarmübung. Am Ende stellt er fest: "Überwiegend lief alles, wie es laufen muss". Der Löschzug ist auf solche Einsätze gut vorbereitet. Trotz der guten Bewältigung hört man Aufatmen der Erleichterung, als die Kinder nach dem vermeintlichen Unglück wieder quicklebendig aufspringen und die schweren Brandwunden abschminken können. Gut zu wissen, dass dies eine Übung war. |
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